…
geschichtlicher Hintergrund …
1939/40: Große
Erfolge der deutschen Soldaten an allen Fronten. Polen und Frankreich in
Blitzkriegen niedergeworfen. Dänemark und Norwegen sowie die Benelux-Länder
gewaltsam besetzt.
Um den Krieg zu gewinnen, muss nur noch England besiegt
werden. Die Briten aber wehren sich. Seit dem Beginn des Westfeldzuges
(10.5.1940) schicken sie zunehmend Flugzeuge über den Rhein, einzeln - dann
werfen sie Flugblätter ab - oder in kleinen Gruppen, dann werfen sie Bomben,
die militärische Ziele treffen sollen. Und sie kommen des Nachts, weil bei
Tageseinsätzen die Verluste zu groß sind. - (Abgeschossene feindliche Flieger
werden damals und teilweise noch bis Herbst 1943 mit militärischen Ehren und
kirchlichem Segen beigesetzt.) Da aber das nächtliche
Zielen aus mehreren tausend Metern Höhe und dazu noch ohne Radar und
Zielanflugpeiler nicht so einfach ist, vielmehr nahezu unmöglich, gibt es
Kollateralschäden, wie man im heutigen Militärjargon sagen würde, d.h. es
fallen Bomben auf Wohngebiete, und es kommen Zivilisten zu Tode. Diese Angriffe,
die kriegswirtschaftlich völlig wirkungslos sind, lösen bei der Bevölkerung
große Unruhe und Empörung aus und auch Sorge. Denn man erinnert sich, dass der
zweite Mann im Staat schon 1939 gesagt hatte, er wolle "Meier" heißen,
wenn auch nur e i n feindliches Flugzeug den deutschen Luftraum überfliegen würde. Aber der
Führer hält sich noch zurück. Er läßt keine Vergeltung üben. In einer
Reichstagsrede am 19.7.1940 bietet er den Engländern sogar Friedensgespräche
an, - obwohl er zwei Tage zuvor die Anweisung gegeben hatte, das Unternehmen
"Seelöwe", d.h. die Invasion Englands, vorzubereiten.
Als das britische Kabinett auf seinen
"Friedensappell" nicht eingeht, reagiert der Führer, wie man es von
ihm erwartet. Er gibt seine bisher geübte Zurückhaltung auf und befiehlt ab
5.8.l940 den "verschärften Luft- und Seekrieg" gegen England.
Um den Briten gleich tüchtig einzuheizen, setzt man am l3.
August, dem "Adlertag", 2355 Flugzeuge ein, und zwar am Tage, wie es
sich für "nicht feige Soldaten" gehört. Entsprechend hoch sind die
Verluste. Ca. 800 Maschinen, die vor allem von britischen Jägern abgeschossen
werden, sollten es in den ersten drei Wochen des "verschärften
Luftkrieges" noch werden. Unter dem Eindruck dieser Verlustziffern wird der
Großraum London ab September 1940 auch nachts angeflogen. Die Kollateralschäden,
die es auch bei den deutschen Tagesangriffen schon in zahlreichen Fällen
gegeben hatte, nehmen entsprechend zu.
Winston Churchill, der britische Premierminister, fordert
"Vergeltungsangriffe" auf Berlin und setzt diese gegen Widerstände im
"Bomber Command" auch durch. Britische Verbände fliegen zwischen dem
25.8. und 4.9.1940 fünf Angriffe auf die Reichshauptstadt. Hitler reagiert wütend.
In seiner Reichstagsrede am 4. September kündigt er an, dass er die englischen
Städte "ausradieren" werde. Wenige Monate später - auf Coventry, der
bedeutenden Industriestadt in Mittelengland, hatte am 14./15.11.1940 ein
vernichtender Angriff deutscher Bomber stattgefunden - wird Goebbels, sein Propagandaminister, dazu aufrufen, die englischen Städte
zu "coventrieren". - Die Eskalation der Gewalt ist nicht mehr
aufzuhalten.
1941: Die wechselseitige Bombardierung der gegnerischen Städte geht mit
Unterbrechungen bis Anfang Mai 1941 weiter. Danach werden große Teile der
deutschen Luftwaffe an anderen Fronten gebraucht, so auf dem Balkan, in
Nordafrika und vor allem für den am 15. Mai geplanten, später auf den
22.6.1941 verschobenen Überfall auf Russland. Die Briten nehmen dies mit großer
Erleichterung und Genugtuung zur Kenntnis. Für sie bedeutet es, dass sie die
"Luftschlacht über England" gewonnen haben und dass mit einer
Invasion ihrer Insel in absehbarer Zeit nicht
mehr zu rechnen ist.
Nachdem in der britischen Flugzeugproduktion bisher das
Schwergewicht auf der Herstellung von Jagdflugzeugen gelegen hatte, wird fortan
der Ausbau der Bomberflotte forciert. Der Bombenkrieg über Deutschland soll
verschärft werden. Dabei trifft es sich gut, dass zu dieser Zeit die leistungsfähigeren
viermotorigen Bomber serienreif werden. Bereits Mitte des Jahres kommen die
ersten zum Einsatz.
In Deutschland hat zu dieser Zeit keiner der an
entscheidender Stelle stehenden Männer an eine Umstellung oder an eine
wesentliche Erhöhung der Flugzeugproduktion gedacht. Wer ernsthaft, wie das OKH
(Oberkommando des Heeres), in einem 9 bis 17-Wochen-Feldzug Russland bezwingen
wollte - Hitler veranschlagte dazu immerhin 21 bis 22 Wochen - , für den stand
natürlich außer Frage, dass man die an die Ostfront verlegten Jagdgeschwader
schnellstens wieder zurückbeordern würde, ehe die Briten mit ihren Bomben großen
Schaden anrichten konnten.
Doch als ungleich bedeutsamer sollte sich noch herausstellen,
dass Deutschland am 11.12.1941 den USA den Krieg erklärte.
Diese Aussage, die nicht zum ersten Mal in dieser
Deutlichkeit formuliert worden ist, stellt zweifelsfrei klar, dass Luftmarschall
Harris oder Bomber-Harris, wie er in der Öffentlichkeit und auch in der Presse
später genannt werden sollte, die Konzeption der Flächenbombardierung weder
erfunden noch entwickelt hat. Aber er hat sie - aus englischer Sicht - überaus
glänzend organisiert und bis hin zur
Besessenheit und mit erbarmungsloser Härte umgesetzt. Er war ihr
leidenschaftlicher Vollstrecker.
Die Energie und Tatkraft des neuen Oberbefehlshabers bekommen
die deutschen Städte schon bald zu spüren. Nach einigen Erprobungsangriffen
auf Städte im Ruhrgebiet kann Harris bereits am 28./29.3.1942 mit 234 Bombern
einen vernichtenden Angriff auf Lübeck fliegen lassen und knapp einen Monat später
mit 521 Flugzeugen in vier aufeinanderfolgenden Nächten Rostock angreifen.
Hauptziel ist auch hier wie in Lübeck die brandempfindliche, engbebaute
Altstadt. Erstmals findet bei diesen Angriffen eine neue Bombardierungstechnik
Anwendung. Statt ausschließlich oder überwiegend Sprengbomben einzusetzen,
besteht die Ladung der Bomber diesmal bis zu 50% aus Brandbomben.
Um vor aller Welt zu demonstrieren, dass England mit seiner
immer stärker werdenden Bomberflotte eine kriegsentscheidende Waffe in den Händen
hält und auch, um Kritiker und Zweifler an der Wirksamkeit der Flächenbombardements
zum Verstummen zu bringen, plant Harris unter dem Decknamen "Millenium"
einen Angriff mit tausend Bombern. Er findet dazu Mitte Mai die Zustimmung
seiner militärischen Vorgesetzten sowie der Regierung und nicht zuletzt auch
der anderen Teilstreitkräfte. Um die magische Zahl Tausend zu erreichen -
seinem eigenen Kommando unterstehen in jenen Tagen nur 416 Bomber - gedenkt er
die fehlenden Maschinen bei der Küstenwache sowie bei den Ausbildungseinheiten
zu borgen. Am 27. Mai stehen schließlich 1042 Bombenflugzeuge und ihre
Besatzungen bereit und warten auf günstiges Wetter. Am 30. Mai gibt Harris den
Befehl, anstelle von Hamburg als Alternativziel Köln anzugreifen. 900 der 1042
Bomber werfen 1455 Tonnen Bomben auf die Innenstadt, davon allein 1000 Tonnen
Brandbomben. Alle übrigen Maschinen werden gegen Flakstellungen und Flugplätze
der Nachtjäger eingesetzt.
Der zu jener Zeit einseitige Luftkrieg der Briten gegen die
deutschen Städte - amerikanische Bomber werden erst ab Juni 1943 Ziele im Reich
angreifen - geht mit unverminderter Härte und steigender Tendenz weiter. Durch
die Bindung der Masse der deutschen Luftstreitkräfte an anderen Fronten, vor
allem an der Ostfront, gewinnen die Briten sogar nach und nach die Oberhand. Nur
zweimal im Jahr 1942 muss Harris seine Luftoffensive unterbrechen. Im Juni
zwingen ihn hohe Verluste durch deutsche Nachtjäger zu einer Atempause, und im
November muss er Teile seiner Streitmacht vorübergehend für die
anglo-amerikanische Operation "Torch" (Fackel), der Landung in Marokko
und Algerien abordnen.
1943: Die schon im Spätherbst des Vorjahres sich abzeichnende militärische
Niederlage Deutschlands wird spätestens mit der Kapitulation der Reste der 6.
Armee im Kessel von Stalingrad am 31.1. bzw. 2.2.1943 offenkundig. Daran kann
auch Goebbels mit seinem Aufruf zum "Totalen
Krieg" in seiner berühmt-berüchtigten Sportpalastrede
am 18.
Februar nichts ändern. In der Heimat herrscht ohnehin schon seit längerem der
totale Krieg. In fast jeder Nacht sinken deutsche Städte unter dem Hagel
britischer Bomben in Schutt und Asche. Hin und wieder erzielt die aufopfernd kämpfende
deutsche Luftabwehr dennoch überraschende und teilweise auch spektakuläre
Erfolge. So werden z.B. bei Tageseinsätzen der Amerikaner, die seit dem
l0.6.l943 auch Ziele in Deutschland angreifen, in der Woche vom 8.-l4. Oktober l48 Bomber,
meist B-l7 (Fliegende Festungen), abgeschossen. Als "schwarze Woche"
sollte sie später in die Annalen der 8. US
Air Force eingehen.
Im Grunde aber ist die deutsche Abwehr im Luftkrieg über
Deutschland der stetig wachsenden Übermacht der Alliierten materiell und
personell längst nicht mehr gewachsen. Dazu beigetragen hat auch, dass die seit
dem Frühjahr 1943 kräftig angekurbelte Produktion von Jagdflugzeugen bald
wieder gedrosselt werden musste, weil der Führer selbst noch nach den
verheerenden Angriffen der
Alliierten auf Hamburg vom 25.7. - 3.8.l943 - später sollte sich herausstellen,
dass es nach Dresden die schwersten Luftangriffe der Alliierten auf eine
deutsche Stadt waren - uneinsichtig und wider alle Vernunft auf
den bevorzugten Bau von schweren Bombern bestand. Er wollte partout noch
Englands Städte "ausradieren". "Terror kann nur mit Gegenterror
gebrochen werden!", war und blieb seine Devise. In dieses Denkmuster passt
auch, dass der Ende l943 schon fast zur Serienreife gediehene erste Düsenjäger
der Welt (Me 262), der mit 850 km/h mindestens 200 km/h schneller war als jedes
andere Jagdflugzeug, nicht mehr in Größenordnungen eingesetzt werden konnte,
die möglicherweise Tages-Luftschlachten entschieden hätten. Der Führer hatte
die alsbaldige Serienproduktion der Me 262 durch seine unsinnige Forderung
blockiert, die Maschine zu einem "Blitzbomber" umzufunktionieren.
Noch ein anderer Mensch
hat sich Mitte des Jahres die Frage
gestellt, wie man den gegnerischen Luftterror durch geeignete und wirkungsvolle
Gegenmaßnahmen verhindern könne. Es war Heinrich Himmler, Reichsführer SS und
seit l943 als Innenminister Chef der deutschen Polizei, dessen Überlegungen in
den Befehl vom l0.8.l943 einflossen, dass es nicht Aufgabe seiner Polizei sein könne,
"sich in Auseinandersetzungen zwischen
deutschen Volksgenossen und abgesprungenen englischen und amerikanischen
Terrorfliegern einzumischen". - Einzelne Forderungen unterer Parteifunktionäre,
gefangene britische Piloten künftig auf der Stelle zu erschießen, waren schon
seit dem Frühjahr laut geworden. So vertrat z.B. der mecklenburgische Gauleiter
Hildebrandt die Auffassung, alle britischen Bomberpiloten nach japanischem
Vorbild summarisch hinzurichten. Himmler aber sollte es vorbehalten bleiben, als
erster von Amts wegen die Lynchjustiz in Kauf zu nehmen bzw. zu billigen.
Der durch den Abschluss eines Waffenstillstandsvertrages bzw. durch die
Kapitulation Italiens (3.9./29.9.1943) erforderlich gewordene kontrollierte Rückzug
der deutschen Truppen aus den südlichen
Provinzen des Landes gibt den Alliierten die Möglichkeit
zur Eröffnung einer in ihrer
Wirkung nicht zu unterschätzenden
zweiten Luftfront. In Rekordzeit werden in der Ebene um Foggia, der Hauptstadt
Apuliens, die erst am 27.9.1943 von den Briten erobert worden war, geeignete
Fluplätze angelegt und die
entsprechenden Versorgungseinrichtungen geschaffen. Schon vom 1.11.1943 an
konnten die Maschinen der neugebildeten 15. US-Luftflotte, verstärkt
durch die 205. britische Bomb Group, von ihren Basen in Apulien aus den sog.
"deutschen Luftschutzkeller", die Alpen- und Donaugaue des Reiches
attackieren. - Bei den ersten Angriffen amerikanischer Bomber auf Ziele in Österreich
und auf dem Balkan (zwischen dem 13.8. und 1.11.1943) waren die US-Maschinen
noch von Flugplätzen in Tunesien
gestartet.
1944/45: Verstärkte Luftangriffe der Westalliierten und nachlassende
Abwehrkraft auf deutscher Seite kennzeichnen die militärische Lage bis zum Ende
des Krieges. Die deutschen Landstreitkräfte sind an allen Fronten auf dem Rückzug
und in allen Bereichen der wachsenden Gegnerschaft hoffnungslos unterlegen. Am
6. Juni l944 beginnt an der französischen Küste in der Normandie die langerwartete Invasion. Selbst der eine Woche später mit großem
Propagandaaufwand gestartete massenhafte Einsatz sogenannter Vergeltungswaffen
(V 1 und V 2 = unbemannte raketengetriebene Flugbomben) auf englische Städte
vermochte bei der deutschen Bevölkerung keine Hoffnung auf einen Endsieg mehr
aufkommen lassen. Die nicht ausgereiften neuen Wunderwaffen sollten sich militärisch
gesehen auch bald als Flop erweisen.
Als die alliierten Luftstreitkräfte zur Vorbereitung der
ursprünglich im Mai geplanten Invasion ihre Tagesangriffe auf Flugplätze und
Verkehrsziele in Frankreich, Belgien und auch im Reich erheblich verstärken und
dabei zunehmend zu Tieffliegerangriffen auf militärische und zivile Ziele auf
Schienen und Straßen übergehen, gibt es vermehrt nur schwach kaschierte
Verlautbarungen und Weisungen unterer und auch höherer Partei- und
Regierungsstellen, hinter denen sich eine unterschwellig betriebene Politik hin
zu einer planmäßigen Lynchjustiz an abgeschossenen Feindfliegern vermuten läßt.
Ihren Höhepunkt findet diese verhängnisvolle Entwicklung in dem berüchtigten
Leitartikel von Goebbels "... zum feindlichen Luftterror", der am 28.
und 29.5.1944 in der Berliner bzw. Münchener Ausgabe des "Völkischen
Beobachters" erscheint. Goebbels versucht in seinem Artikel, der mit Hitler abgestimmt war und auch von
anderen deutschen Tageszeitungen übernommen wurde, den Eindruck zu erwecken,
dass sich die Reichsregierung nunmehr außerstande sehe, die deutsche Bevölkerung
von einem gewaltsamen Vorgehen gegen alliierte Piloten abzuhalten. Zwei Tage später
gibt Hitlers Kanzlei durch ihren Chef, Reichsleiter Bormann, in einem geheimen
Rundschreiben an alle NS-Gau- und Kreisleiter bekannt, dass bei Lynchjustiz an
alliierten Fliegern von "polizeilicher und strafrechtlicher Verfolgung der
dabei beteiligten Personen" abzusehen sei. Wenn es anfangs nur
Parteifunktionäre waren bzw. deren Dienststellen, die den Luftkrieg der
Alliierten gegen die deutsche Bevölkerung anprangerten, finden sich nun auch
hochrangige Militärs, die sie darin unterstützen.
So erklärte Generalfeldmarschall von Rundstedt, seinerzeit Oberbefehlshaber
West, in einem Befehl von Anfang Juni 1944, dass "abgeschossene
Terrorbomber k e i n e Kameraden" seien. Kameradschaftliches Verhalten
gegenüber alliierten Piloten bezeichnete er als "Gefühlsduselei".
Des weiteren sprach er sich dafür aus, dass "jeder derartige Fall von
Würdelosigkeit" zu melden sei und disziplinarisch geahndet werden müsse (zitiert
nach Peter Lieb in: "Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg
?" München 2007, S. 189).
Einen Monat später, am 9.7.1944, formulierte Generalfeldmarschall Keitel, Chef
des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW), einen geheimen Befehl, in dem deutschen
Soldaten untersagt wurde, sich gegen die Zivilbevölkerung zu stellen, wenn
diese in aus deutscher Sicht berechtigter Empörung über anglo-amerikanische
Terrorflieger zur Selbsthilfe greift.
Die letzten bekannt gewordenen Befehle in dieser Richtung
stammen von dem Kommandierenden General des Luftgaues VI (Münster), August
Schmidt, der den vorgenannten Befehl Keitels am 11.12.1944 weisungsgemäß
weitergab, sowie von Albert Hoffmann, dem Gauleiter und
Reichsverteidigungskommissar des Gaues Westfalen-Süd. Nach seinem Schreiben vom
26.2.1945 an alle Landräte, Oberbürgermeister, Polizeiverwalter,
NS-Kreisleiter und an die Kreisstabsführer des Deutschen Volkssturms sind
abgeschossene Jabopiloten "grundsätzlich der Volksempörung nicht zu
entziehen. Ich erwarte von allen Dienststellen der Partei", schreibt
Hoffmann weiter, "dass sie sich nicht als Beschützer dieser
Gangstertypen zur Verfügung stellen. Behördliche Dienststellen, die dem
gesunden Volksempfinden zuwiderhandeln, werden von mir zur Rechenschaft
gezogen".
In welchem Umfang und in welcher Weise Angehörige von SA und
SS, Polizei und Gestapo und auch die betroffene Bevölkerung auf diese offiziell
gesteuerte Hasskampagne blindwütiger NS-Funktionäre reagiert hat, soll die
nachfolgende Aufstellung zeigen.
Da es eine überregionale Untersuchung von
Flieger-Lynchmorden noch nicht
gibt, ist es unser vorläufiges
Ziel, möglichst alle bisher bekannten, d.h. in irgendeiner Form schon
dokumentierten oder sonstwie nachweisbaren Fälle zu erfassen. Darüber hinaus
soll dazu beigetragen werden, Stadt- und Gemeindearchive, aber auch
Heimatforscher und Heimatvereine zu sensibilisieren, bei Mordfällen an
alliierten Fliegern - so denn ein Anfangsverdacht besteht - zu recherchieren,
bevor der letzte Zeitzeuge verstorben ist. Die Dunkelziffern, das lassen unsere
mehrjährigen Recherchen vermuten, sind sehr hoch. Mancher alliierte Flieger,
der sich nach offiziellen Angaben beim Absturz seiner Maschine oder beim
Notabsprung mit dem Fallschirm tödliche Verletzungen zugezogen haben soll und
als gefallener Soldat beigesetzt wurde, ist in Wahrheit vielleicht von
aufgebrachten und fanatisierten Männern ermordet worden.
Art. 2 der Genfer Konvention über die Behandlung von
Kriegsgefangenen vom 27.7.1929 (ratifiziert von Deutschland 1934!):
"Die Kriegsgefangenen unterstehen der Gewalt der
feindlichen Macht, aber nicht der Gewalt der Personen oder Truppenteile, die sie
gefangengenommen haben. Sie müssen jederzeit mit Menschlichkeit behandelt
werden und insbesondere gegen Gewalttätigkeiten, Beleidigungen und öffentliche
Neugier geschützt werden. Vergeltungsmaßnahmen an ihnen auszuüben, ist
verboten."
....historical
background….
1939/40:
Large successes of the German forces at all fronts. Poland and France are
defeated through sudden, swift warfare, later called blitzkrieg. Denmark and
Norway as well as the Benelux countries are occupied by force.
To win
the war the only country remaining to be defeated is England. The British,
however, fight back. Since the beginning of the Western Offensive (10 May 1940)
they send increasing numbers of aircraft across the Rhine: Single planes usually
drop flyers, small groups of planes drop bombs aimed at military targets. And
they come at night because casualties are too high during daytime. (At this
point in the war, shot-down airmen are still buried with military honours and
the benediction of the church. In part this practice continues until the autumn
of 1943.) However, aiming at targets from an altitude of several thousand meters
— without radar or direction finders being available — is anything but easy,
if not impossible. As a consequence there are collateral damages as it would be
called in today‘s military jargon, in other words, bombs hit residential areas
killing civilians. These bombing attacks, which have completely negligible
effects on the German war economy, however cause great unrest and vehement anger
among the German population. People remember that Hermann Göring, second in the
line of power after Hitler, had said in 1939 he wanted to be called “Meier“
if a single hostile plane would ever invade German airspace. Hitler himself
reacts with restraint. He does not call for retribution. In a speech before the
Reichstag on 19 July 1940 he even offers peace negotiations to the British
government — despite the fact that he had given orders for the preparation of
“Operation Sea Lion”, i.e. the invasion of England, two days before.
When the
British cabinet refuses to consider his “appeal for peace“, Hitler reacts
predictably. He abandons the restraint exercised until then and gives orders for
“intensified warfare in the air and at sea“ against England.
On 13
August, so-called “Eagle‘s Day“, the German air force launches a massive
air strike with 2355 aircraft. The planes fly against England in broad daylight
as is to be expected from soldiers who are “not cowardly“. As a result,
casualties are high. Germany loses about 800 aircraft, mostly shot down by
British fighter planes, during the first three weeks of the “intensified air
warfare“. Under the impression of these losses, the metropolitan area of
London is also attacked at night from September 1940. This further increases
collateral damages, already considerable due to daytime bombing raids.
British
Prime Minister Winston Churchill demands “attacks of retribution“ on Berlin,
asserting himself against resistances in Bomber Command. British air squadrons
attack the capital of the Reich five times between 25 August and 9 September
1940. Reacting furiously, Hitler announces in his speech before the Reichstag on
4 September that the German air force will “erase“ English cities. A few
months later Goebbels, Minister of Propaganda, would demand that English cities
be “coventrised“ — a term that referred to the devastating air raid on the
industrial city of Coventry in Mid-England on 14 and 15 November 1940. Thus
Germany stepped up the escalation of violence once again.
1941:
The mutual bombardment of cities in the enemy‘s homeland continues, with some
interruptions, until May 1941. After that, large parts of the German air force
are needed at other fronts, such as the Balkans, North Africa and above all for
the attack on the Soviet Union, initially planned for 15 May, later postponed to
22 June 1941. The British people witnesses the invasion of the Soviet Union with
relief and satisfaction, for it means that their country has won “the Battle
of Britain“ and that an invasion of the British Isles by the Germans has been
averted for the period to come.
In
reaction to the new situation, the British military command implements a change
of strategy in airplane production. Whereas before the emphasis had been on
building fighter planes, the production now focuses on enlarging the fleet of
bombing planes. The plan is to increase the bombardment of German cities. It is
fortunate that the more powerful four-engine bombers are reaching the stage of
serial production at this time. They become ready for combat as early as
mid-1941.
In
Germany none of the country’s leaders had given much thought to increasing or
refocusing aircraft production. The German Army High Command (OKH –
Oberkommando des Heeres) believed in good earnest that German troops would
wrestle down the Soviet Union in 9 to 17 weeks – Hitler himself estimated 21
to 22 weeks; thus for the German military leaders it was no question that the
fighter squadrons moved to the Eastern Front would swiftly be sent back to the
homeland area before British bombers could cause much damage. Of even further
reaching consequences was the decision of the Government of the Reich to declare
war on the United States on 11 December 1941.
1942: On
14 February, one week before Arthur T. Harris was appointed new “Commander-in
Chief of Bomber Command“, a formal order from the “Air Ministry“ to Bomber
Command states unequivocally that all bombing efforts are to be directed against
“the morale of the enemy population“, “especially against that of the
industrial workers”. The wording of this document, to which attention has been
drawn before, proves that Air Marshal Harris or “Bomber Harris“, as he is
dubbed by the press later on, has neither invented nor further developed the
concept of area bombing. But Harris organized the large-scale bombardments
brilliantly — seen from a British perspective — and perfected this method
with obsession and adamant resolution. He executed his strategy passionately.
Being Churchill‘s man for the dirty work, he kept ordering area bombings even
in the final phase of the war — such as the air raid on Potsdam, at that point
the last German city not yet destroyed, on 14 April 1945 — when his boss had
already pronounced himself against the continuation of “moral bombing“.
German
cities soon get to experience the forcefulness and resolution of the new
commander-in-chief. After some trial air raids on cities in the
The air
warfare against German cities, waged exclusively by the British air force at
this point in the war — American bombers would only strike targets inside the
Reich from June 1943 on — continues unabated and with increasing intensity.
Because the German air force is occupied by combat at other fronts, in
particular the Eastern Front, British planes slowly but surely gain supremacy in
the air. Only twice in 1942 Harris is compelled to interrupt his air offensive.
In June high casualties suffered through German night fighters force him to take
a respite, and in November part of his army of planes is moved temporarily to
support the Anglo-American “Operation Torch“, i.e. the landing of British
and American troops in Morocco and Algeria.
1943:
Germany‘s defeat, already taking shape in the late fall of 1942, becomes
definite with the capitulation of the 6th German Army through the encirclement
of Stalingrad on 31 January and 2 February 1943 respectively. Goebbels
famous/infamous speech in the Berlin Sports Palace on 18 February in which he
calls for “total war“ cannot in the least change this reality. In quite
another way total war has already reached the German homeland for quite some
time. Almost every night German cities are reduced to rubble under the impact of
British bombs. Now and then the bravely fighting German air defence is
surprisingly, sometimes even spectacularly successful. In the week of 8 to 14
October, for example, 148 B-17 (“Flying Fortress“) bombers are shot down
during daytime raids flown by American aircraft; the US Air Force had been
attacking targets in Germany since 10 June 1943. This period would later enter
the annals of the 8th US Air Force as the “Black Week“ of 1943.
On the
whole, however, the German air defence had long ceased to be a match, both in
terms of material and personnel, for the steadily increased attacks by allied
forces. The production of fighter planes, which bad been vigorously stepped up
in the spring of 1943, soon had to be curbed because Hitler, stubbornly and
against all reason, insisted on building heavy bombers first. He did not even
reconsider his stance after the devastating attacks on Hamburg from 25 July to 3
August 1943, which were to be the heaviest air raid on any German city apart
from the one on Dresden one and a half years later. Hitler was still set on
“erasing“ England‘s cities. “Terror can only be broken by
counter-terror,“ remained his reply. It was a result of this misplaced
strategy that towards the end of 1943 the world‘s fastest jetfighter plane (Me
262) could no longer be produced in numbers large enough that might have enabled
the German air force to win daytime battles. The development of the Me 262,
whose speed of 850 km/h exceeded that of any other fighter plane by at least 200
km/h, had been approaching serial production. But Hitler obstructed all further
development by senselessly demanding that the new plane be changed to a “Blitz
Bomber“.
Among
the German Nazi leaders, someone else had reflected upon how to prevent the
terror of air strikes by allied forces through appropriate and efficient
counter-measures. Heinrich Himmler, leader of the SS and, since 1943, when he
became Minister of the Interior, Chief of the German Police, issued an order on
10 August 1943 which stated that it could not be the responsibility of the
police “to interfere with confrontations between German citizens and English
and American terror airmen“.
Sporadic
demands by lower-ranking party cadres to the effect that captured British pilots
were to be shot on the spot had been heard since the spring of that year.
Gauleiter (District Leader) Hildebrandt of Mecklenburg, for instance, voiced the
opinion that, following the Japanese example, all British bomber pilots should
be executed summarily. It was to be Himmler‘s privilege to be the first to
allow for, if not to approve officially of, the lynching of hostile airmen.
When
Italy signed a ceasefire treaty on 3 September 1943 and surrendered on 29
September, German troops were forced to withdraw from the country’s southern
provinces. This provided allied forces with the possibility of opening a second
air front, a development with seminal effects on the further course of the war.
In record time the British air force built suitable airfields and supply
facilities in the plain surrounding Foggia, the capital of Apulia, which had
been conquered by British troops only on 27 September 1943. From 1 November 1943
planes of the newly formed 15th US Air Force, reinforced by the British 205th
Bomb Group, took off from the air bases in Apulia to attack the so-called
“German bomb shelter‘, the Alpine and Danube regions of the Reich. Until
then American bombers, who flew their very first air raids aimed at targets in
Austria and on the Balkans from 13 August 1943, had been forced to taken off in
Tunisia.

English Leaflet of autumn 1943
1944/45:
The military situation until the end of the war is characterized by intensified
bombing through allied forces and the weakening of the German defence.
Hitler’s infantry is forced to retreat at all fronts and reveals itself to be
hopelessly inferior to the increasing onslaught of their enemies. Six June 1944
is the beginning of the long-awaited invasion on the French coast in Normandy.
Not even the massive deployment of so-called “weapons of retribution”, the
V1 and V2 (V stands for “Vergeltungswaffe“; these are unmanned,
rocket-propelled “flying bombs“), announced with much propagandistic effort,
is able to restore the hope for victory in the German people. Insufficiently
engineered, the new miracle weapons soon prove a complete military failure.
During
the time of preparation for the invasion in Normandy, originally planned for May
1944, allied air forces drastically intensify their daytime air raids on
airfields and other traffic infrastructure targets in France, Belgium and also
inside Germany. More and more often these strikes consist of strafer attacks on
military as well as civilian targets moving on rail lines and roads. It is at
this point in the war that a growing numbers of instructions and orders appear
on the part of high-ranking German government and party authorities which
indicate a shift of strategy with regard to lynchings of shot-down hostile
pilots. The policy moves from tacit approval to systematic persecution through
lynch law. This development culminates in an infamous editorial by Goebbels
“on the subject of the enemy‘s air terror“ which appeared on 28 and 29 May
1944 in the Berlin and Munich editions of the Völkischer Beobachter (The
People’s Observer). In this editorial, which was approved by Hitler and
reprinted in other German daily papers, Goebbels tries to create the impression
that the Government of the Reich considers itself incapable of stopping the
German people from reacting with violence against allied pilots. Two days after
the publication of Goebbels’ article the chief of Hitler‘s Chancellery,
Reichsleiter Bormann, notifies National-Socialist District and County Leaders
(Gauleiter and Kreisleiter) through a secret memorandum that in cases of
lynchings of allied pilots “the persons involved in such actions are to be
persecuted neither by the police nor by judicial authorities.“ After this, the
General Command of the Armed Forces (OKW – Oberkommando der Wehrmacht),
represented in person by General Field Marshal Keitel, hastened itself to follow
suit. On 9 July 1944 Keitel sent out secret orders forbidding German soldiers to
intervene against civilians who “in their justified anger help themselves
against Anglo-American terror airmen.“
Thus
Field Marshal General von Rundstedt, at the time Commander-in-chief West,
declared in an order sent out at the beginning of June 1944 that “shot-down
pilots participating in the terror bombing were not comrades”. According to
Rundstedt comradely conduct towards allied pilots was “sentimentalism”.
Furthermore, he advocated that “any instance of undignified behaviour” was
to be reported and that disciplinary action would have to be taken against it
(quoted after Peter Lieb: “Konventioneller Krieg oder
NS-Weltanschauungskrieg?” Munich 2007, p. 189)
One
month later, on 9 July 1944, Field Marshal General Keitel, Supreme Commander of
the Wehrmacht, drew up a secret order which forbade German soldiers to intervene
whenever the civilian population was, from a German perspective, justly enraged
by a bombing attack and was taking the law in its own hands against
Anglo-American terror pilots.
The last
orders of this kind that have been documented came from the Commanding General
of Air District VI (Luftgau Münster), August Schmidt, who — following
instructions — forwarded Keitel‘s orders on 11 December 1944, and from
Albert Hoffmann, District Leader (Gauleiter) and Reich Defense Commissioner
(Reichsverteidigungskommissar) of Southern Westphalia. According to his missive
of 26 February 1945, distributed to all district administrators, mayors, police
administrators, National-Socialist District Leaders (NS-Kreisleiter) and
District Staff Leaders (Kreisstabsführer) of the Volkssturm (Germany’s last
ditch defense), the pilots of shot-down fighter-bombers “are to be left to the
hands of the furious people. I expect from all party authorities,“ Hoffmann
continues to write, “that they do not seek to protect these gangster types.
Authorities counteracting the healthy reactions of the people, will be brought
to account.“
The
following list is to document the dimensions and the various ways and means
through which members of the SA and SS, police and Gestapo as well as the
civilian individuals reacted to this hate campaign officially steered by Nazi
cadres.
So far
no study of lynchings of allied pilots covering the entire area of the German
Reich exists. It is our aim to collect all cases that are known and have been
documented in whatever form. Furthermore, we seek to sensitize those working in
town and communal archives, as well as local historians, members of local
history clubs and others to research incidents in the course of which allied
pilots were lynched and to proceed with this before the last witnesses will have
passed away. The number of unknown cases, this is to be surmised after several
years of research, is presumably very high. There may in fact be quite a few
allied airmen buried as “fallen soldiers“, who — according to the official
version — were lethally injured in the crash of their plane or when landing by
parachute, but who in truth perhaps fell victim to infuriated and fanaticized
men.
Article
2 of the Geneva Convention relative to the Treatment of War Prisoners of 27 July
1929 (ratified by Germany in 1934!):
Prisoners
of war are in the power of the hostile Government, but not of the individuals or
formation which captured them.
They
shall at all times be humanely treated and protected, particularly against acts
of violence, from insults and from public curiosity.
Measures
of reprisal against them are forbidden.

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